Wann haben wir aufgehört, uns selbst zu feiern ?

celebrate

Jedes Kind feiert sich selbst – dauernd. Es vergehen nur wenige Minuten am Samstag Nachmittag, dann kommt eines meiner Kinder auf mich zugelaufen „Papa, schau, Papa, komm mal her, schau was ich gemacht habe – schau was ich kann. Oder: ich führe Dir etwas vor – schau her, Papa!“

Und ich schaue hin – schaue, was mein Kind mir präsentieren möchte, wovon es so begeistert ist.

Diese Begeisterungsfähigkeit von Kindern ist absolut faszinierend. Auch und gerade die Begeisterungsfähigkeit steckt an, die Kinder gegenüber sich selbst und ihrer Entwicklung zeigen. Sie feiern jede neue Fähigkeit, jede neue Erfahrung, jede neue Erkenntnis. Und alle anderen sollen dabei zuschauen, die Eltern, Geschwister und Freunde sollen dabei sein, wie sie ihre neue Fähigkeit ausprobieren und zelebrieren.

Einfach erfrischend, positiv und so optimistisch – zugleich freundlich und ansteckend!

Dann überlege ich – wann habe ich, wann hast Du, wann haben wir Erwachsenen eigentlich verlernt, uns so regelmäßig und begeisternd selbst zu feiern ?

Wie oft machen, bauen, schreiben, erfahren wir etwas Großartiges … wem erzählen wir davon ?

Zu wem sagen wir, „schau her was ich gemacht, schau her was ich gebaut und geschrieben habe. Ist das nicht toll, ist das nicht großartig ? Schau mir zu, was ich kann, schau hin, was ich geleistet habe !“

Es muss dabei nicht um große Dinge, tiefgreifende Ereignisse gehen – aber: wann warst Du das letzte Mal so richtig stolz auf Dich – auch auf die kleineren „Siege“ und Errungenschaften ?

„Ich bin heute Rad gefahren, ich war heute im Fitnessstudio. Oder: ich habe heute den Rasen gemäht und alle Büsche zurückgeschnitten. Oder: ich habe heute Frühstück, Mittagessen und Abendessen für sechs Personen gemacht – und es hat toll geschmeckt.“

Nein, das sagt man nur selten, wenn überhaupt. Man behält das für sich, wenn überhaupt ein positives Selbstgespräch in diese Richtung stattfindet. Oder wie ist das bei Dir ?

Möglicherweise sagst Du dann vielmehr “Ich hätte es noch besser machen können. Es ist noch nicht gut, noch nicht schnell genug. Oder: ich sollte es noch mehr in die Richtung versuchen, wie es der Nachbar offensichtlich hinbekommt.“

Wann haben wir den Schalter umgelegt von: „schau her, schau, was ich kann“ zu: „es ist nicht gut genug, ich muss noch besser werden – verglichen mit anderen muss ich noch zulegen.“

Nein, so geht das nicht. Wir erzählen uns damit einen Unfug. Wir müssen aufhören, uns solche Geschichten zu erzählen – und dann sogar noch daran zu glauben.

Es wird Zeit, dass wir uns selbst wieder regelmäßig feiern und über uns begeistern. So, wie wir es früher als Kinder ausführlich zelebriert haben.

Ich arbeite daran.

Machst Du mit ?

Viele Grüße

Andreas

 

2 Gedanken zu „Wann haben wir aufgehört, uns selbst zu feiern ?

  1. anki2903

    Hey, echt toll geschrieben & du hast absolut recht mit dem was du sagst!
    Ich fürchte wir vergessen das ganz einfach immer wieder!
    Aber es ist auf jeden Fall ein guter Vorsatz! 🙂

    Gefällt 2 Personen

    Antwort

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