Archiv für den Tag 27. September 2017

Wie funktionieren Leerverkäufe?

Börse

Bei Leerverkäufen handelt es sich grundsätzlich um Wertpapiergeschäfte.

Dabei ist es das Ziel des Leerverkäufers, von erwarteten Marktentwicklungen bzw. Entwicklungen bestimmter Wertpapiere (basierend natürlich auf die erwartete wirtschaftliche Entwicklung von Unternehmen, die den Wert des Wertpapieres repräsentieren) zu profitieren.

Und der Clou daran: der Leerverkäufer beabsichtigt, von diesen erwarteten Entwicklungen zu profitieren, ohne das Wertpapier tatsächlich zu besitzen oder eigenes Geld zu investieren.

Ganz konkret kann ein solches Geschäft beispielsweise wie folgt abgewickelt werden:

Der Leerverkäufer verkauft dem Kontrahenten (das heißt der Person/ Unternehmen/ Bank, mit dem das Geschäft gemeinsam abgewickelt werden soll) ein Wertpapier auf Termin. Das bedeutet, es wird zwischen beiden Kontrahenten (Leerverkäufer und Kontrahent) vereinbart, dass der Leerverkäufer zu einem zukünftigen Termin dieses Wertpapier liefern muss. Natürlich muss sich der Leerverkäufer zu dem vereinbarten Termin dann mit dem Wertpapier eindecken, um lieferfähig zu sein.

Da der Leerverkäufer aber darauf spekuliert, dass der Kurs, d.h. der Wert des Wertpapiers bis zum vereinbarten Termin sinkt, wird er sich erst zum oder kurz vor dem vereinbarten Termin mit dem Wertpapier eindecken, d.h. dieses erwerben, um seiner Verpflichtung gegenüber dem Kontrahenten gerecht zu werden.

Wenn sich alles so fügt, wie der Leerverkäufer es sich vorgestellt hat, verkauft er das Wertpapier zum Termin zum bereits heute (das heißt zum Datum des ursprünglichen Vertragsabschlusses zwischen Leerverkäufer und Kontrahent) vereinbarten hohen Kurs und deckt sich kurz vor dem Liefertermin mit dem Wertpapier ein. Die Eindeckung erfolgt zu dem dann aktuellen Kurs, der idealerweise niedriger ist. Die Differenz ist der Gewinn des Leerverkäufers.

Und der besondere Charme an diesem Geschäft:

Der Leerverkäufer kann diesen Gewinn erzielen, ohne selbst Geld einsetzen zu müssen – bzw. nur ganz kurz – bspw. mittels Wertpapierkredit – Geld zu organisieren. Denn er muss ja nur die in der Regel sehr kurze Zeit zwischen dem eigenen Erwerb des Wertpapiers und dem Verkauf an den Kontrahenten überbrücken (was auch fast zeitgleich bzw. taggleich geschehen könnte).

Im Ergebnis kann der Leerverkauf mithin ein sehr rentables Geschäft für den Leerverkäufer sein, zumal keine Notwendigkeit besteht, eigenes Geld einzusetzen. Der Leerverkäufer benötigt nur eine ausreichende Bonität, auf Basis derer der Kontrahent hinreichend sicher sein kann, dass der Leerverkäufer in der Lage ist, seine Verpflichtungen zu erfüllen.

Wenn die Spekulation – und nichts anderes als eine Spekulation auf bestimmte Entwicklungen von Wertpapierkursen ist diese Art von Geschäft – allerdings nicht aufgeht und der Markt sich in die andere Richtung bewegt, kann der Leerverkäufer auch hohe Verluste machen, ohne dass er möglicherweise diese Mittel überhaupt hat.

Das Chancen-/Risikoprofil eines solchen Geschäftes ist damit sehr hoch, d.h. es handelt sich um ein riskantes Geschäft – mit hohen Ertragschancen, aber auch hohen Verlustrisiken.

Welche Fragen, Anregungen, Kommentare hast Du dazu ?

Ich freue mich über Deine Nachricht.

Viele Grüße

Andreas

 

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