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Warum gibt es in der Welt keine Einheitswährung?

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Wäre es nicht schön, in einer Welt zu leben, in der wir alle mit nur einem Zahlungsmittel hantieren müssten ? Eine Welt, wo kein Geld umgetauscht werden muss. Du also nicht überlegen musst, in welchem Land Du gerade mit welcher Währung bezahlen musst ?

Nun ja, dazu bräuchten wir weltweit ein einheitliches Währungsregime. Das gibt es aber bis heute – und auf absehbare Zeit – nicht.

Warum ist das so?

Vornehmlich gibt es deshalb keine Einheitswährung, weil sich jeder Staat mit einer eigenen Währung eine eigenen Einnahmequellen schaffen wollte – bzw. im Zeitverlauf eine einmal geschaffene Einnahmequellen nicht wieder aufgeben wollte.

Denn was ist denn – bei Lichte betrachtet – eine Währung?

Es handelt sich grundsätzlich um ungedeckte Schuldscheine des emittierenden Staates. Der aufgedruckte Wert ist das Versprechen dieses Staates, dass ein Stück gedrucktes Papier genau diesen aufgedruckten Betrag wert ist. Dieses Versprechen muss aber dann im Nachgang eingehalten werden.

Dieses Versprechen wurde in der Vergangenheit von einzelnen Staaten unterlegt mit dem Hinweis darauf, dass der jeweilige Staat über genügend Goldvorräte verfügt, um jegliche Ansprüche aus der Emission solcher Zahlungsmittel zu bedienen. Diese unmittelbare Verbindung mit dem Gold wurde aber von diesen Staaten – hierbei steht die USA im Vordergrund – in den 70er Jahren endgültig aufgehoben. Seitdem sind diese Verpflichtungen zur Bedienung der Schuldscheine (also der Geldscheine) faktisch ungesichert. Warum wurde die Verbindung zwischen Gold und Verpflichtung der USA aus der Emission von Geldscheinen aufgehoben? Na ja, das kann man sich überlegen…Vielleicht wollten die USA mehr Geld drucken, als sie Goldvorräte hatten? Faktisch brauchten die USA erhebliche finanzielle Mittel, um den Vietnamkrieg zu finanzieren. Dafür wurde die Druckerpresse angeworfen und enorme Mengen an Geld gedruckt. Das Goldvermögen konnte damit aber nicht mehr stand halten. Das Vertrauen in die Währung, bzw. in die Zahlungsfähigkeit der USA hatte gelitten. Der sogenannten Goldstandard wurde aufgehoben. Geld konnte damit nunmehr in unbegrenztem Ausmaß gedruckt werden.

Darüber hinaus gab es in der Historie andere Staaten, die haben diese Versprechen tatsächlich nicht mehr erfüllt – oder konnten sie zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr erfüllen (so genannter Staatsbankrott). In solchen Fällen war vielfach ein Schuldenschnitt erforderlich, um die Staaten finanziell wieder auf die Beine zu stellen.

In anderen Fällen haben sich Staaten durch Inflation entschuldet, das heißt die Scheine mit den aufgedruckten Zahlen wurden durch Inflationen wurden mit der Zeit immer weniger Wert. Diese Möglichkeit machen sich auch aktuell viele Staaten zu Nutze, um die Staatsverschuldung (mehr oder weniger heimlich) zu reduzieren.

Also ist die Währung – das heißt Geld – ein sehr einfaches Mittel des Staates, an Geld zu kommen bzw. an Geld zu kommen, was eventuell nie mehr zurückgezahlt werden  muss. Diese Möglichkeit der Geldschöpfung wird kein Staat ohne Weiteres aus der Hand geben. Selbst bei der Einführung des Euros wurde darauf geachtet, dass die beteiligten Staaten anteilig an der Möglichkeit zur Geldschöpfung beteiligt blieben.

Moderne Zahlungsmittel, die sich derzeit entwickeln, wie Kryptocurrency, z.B. Bitcoin, untergraben diese nationalen Pfründe. Bitcoin ist keine traditionelle Währung mehr, die von Staaten geschaffen wird, sondern diese Währung befindet sich in der Hand der Allgemeinheit. Wenn sich diese Währungsmittel durchsetzen (was sicherlich noch Jahrzehnten dauern wird), werden nationalstaatlichen Möglichkeiten der Geldschöpfung dann natürliche Grenzen gesetzt. Vielleicht schaffen es die Nationalstaaten aber auch, auch diese Währung unter ihre Fittiche zu bekommen. Es könnte aber auch sein, dass es bis dahin gar nicht mehr so viele Nationalstaaten gibt. Das ist aber ein anderes Zukunftsthema.

Wir werden also faktisch – insbesondere aufgrund politischer und haushaltstechnischer Erwägungen – noch geraume Zeit mit eine Vielfalt an Währungen auf der ganzen Welt leben.

Welche Erfahrungen hast Du mit verschiedenen Währungen gemacht? Hättest Du Sympathien dafür, wenn es nur noch eine einzige Währung als Zahlungsmittel gäbe?

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Was ist das größte Missverständnis, das es im Bereich der Wirtschaft derzeit gibt?

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Was ist das größte Missverständnis, das es im Bereich der Wirtschaft derzeit gibt?

Aktuell gibt es meines Erachtens ein offenkundiges Missverständnis, welches eigentlich derzeit der größten Aufmerksamkeit in der internationalen Wirtschaft bedürfte.

Es handelt sich um das Missverständnis, dass viele in der Öffentlichkeit davon ausgehen oder unterstellen, dass sich die Wirtschaft gesund weiterentwickeln kann, obwohl eine wesentliche Komponente unserer Wirtschaft – nämlich das Konzept der Verzinsung (d.h. Zeitwert des Geldes) – schon seit Jahren und auch künftig bis auf Weiteres außer Kraft gesetzt ist.

Es wird augenscheinlich von Wirtschaft und Politik unterstellt, dass es ja nicht so schlimm sei, dass für Kapital keine Zinsen mehr anfallen, d.h. dass man sich nahezu kostenlos verschulden kann – bestimmte Staaten (insbesondere Deutschland und die Schweiz) sogar Geld dafür nehmen, wenn sie sich höher verschulden (sog. Negativzinsen).

Dabei wird regelmäßig ausgeführt, dass dadurch die Wirtschaft angekurbelt würde, da sich Unternehmen ja günstig finanzieren könnten. Denn sie könnten ja preiswert Kredite aufnehmen. Außerdem hätten die privaten Haushalte aufgrund des niedrigen Zinsniveaus keinen Grund, viel Geld zu sparen. Sie würden daher ihr Geld eher ausgeben, was die Wirtschaft weiter ankurbeln würde.

Ein Vorteil, den vor allem die deutsche Politik mit der nachhaltigen Niedrigzinspolitik darüber hinaus noch hat, ist dass man damit Werbung machen kann, dass die Neuverschuldung sinkt bzw. eine “schwarze Null” steht. Das funktioniert aber nur – und nur so lange – wie der Staat sich kostenlos (d.h. ohne Zahlung von Zinsen) an den Kapitalmärkten weiter verschulden kann, oder alte Schulden in neue Schulden umschichten kann, die billiger sind, weil zinslos. Das ist letztlich Augenwischerei, denn die Politik ist nicht wirklich sparsam, sondern profitiert einfach von der Nullzinspolitik der internationalen Zentralbanken.

Nun aber die Nachteile, die überwiegen, aber nicht so richtig gesehen werden wollen:

Die Nullzinspolitik heizt einerseits die Verschuldung von Staaten, Unternehmen und Privathaushalten immer weiter an. Fast jeder kann sich zu sehr niedrigen Zinsen (oder gar keinen Zinsen) verschulden. D.h. es ist heute möglich Schulden aufzunehmen, ein langfristiges Zahlungsziel zu vereinbaren – und trotzdem auf kurze Sicht keine Kapitalbelastung zu haben, einfach weil selbst auf hohe Kredite kaum Zinsen zu zahlen sind. Dies ist langfristig erheblich ungesund für die Wirtschaft.

Dadurch dass man sich schon seit Jahren sehr günstig solche Fremdmittel beschaffen kann, steigt auch das Leverage (Verschuldungsquote) bei Finanzierungen erheblich. Das heißt, wenn ein Vermögenswert erworben wird – sei es ein Auto, ein Haus, ein Unternehmen, etc. – wird immer häufiger mit immer höheren Fremdkapitalanteilen gearbeitet. Das erhöht das Risiko der Anfälligkeit dieser Arten von Finanzierungen, wenn die wirtschaftliche Entwicklung sich nur leicht ins Negative dreht. Viele Finanzierungen werden zahlungsunfähig werden, sobald das Zinsniveau nur leicht steigt oder die Konjunktur leicht “hustet”. Wir fahren damit momentan ein erhebliches Risiko und erhöhen die Anfälligkeit unserer Wirtschaft für exogene Schocks (z.B. Ölpreisentwicklung, Terroranschläge, Zinserhöhungen, Arbeitslosigkeit, etc.) erheblich.

Und last but not least:

Die Asset-Bubble, welche sich in den letzten Jahren gebildet hat. Aufgrund der Verschuldungsmöglichkeiten und des niedrigen Zinsniveaus flüchten Anleger immer mehr in Sachwerte (Autos, Immobilien, Aktien, Unternehmensanteile, Kunstwerke, etc.). Dadurch ist das Preisniveau für diese Vermögenswerte in den letzten Jahren erheblich angestiegen. Eine deutliche Verknappung des Angebots ist festzustellen, eine extreme Erhöhung der Nachfrage – einfach weil so viel Geld zum Anlegen vorhanden ist. Die Preise für bestimmte Vermögenswerte steigen dadurch auf ein absurd hohes Niveau.

Diese Vermögenswert-Blase wird irgendwann platzen müssen. Und dann ist das Gejammer groß. Dass die Blase nicht platzt, kann auf der Grundlage der Erfahrungen in der Wirtschaftshistorie als ausgeschlossen gelten. Natürlich gibt es viele, die sagen – “diesmal ist alles anders” (Digitalisierung, reifere Märkte, blablabla).

Tatsächlich können wir aber sicher sein, dass bei einer irgendwann notwendigen Normalisierung der Wirtschaft (z.B. Wiedereinführung des Zeitwertes von Geld – d.h. für Kredite müssen Zinsen gezahlt werden) das Preisniveau für diese Vermögenswerte wieder sinken muss. Denn der innere Wert eines solchen Vermögenswertes – also abgesehen von den spekulativen Elementen –  ermisst sich aus dem tatsächlichen Vorteil (Miete, sonstige Einnahmen, Ersparnis, generierter Cash-Flow), welcher dem Vermögenswert inne wohnt.

Wie siehst Du das ?

Ich freue mich auf Deinen Kommentar !

Viele Grüße

Dein

Andreas